Gorilla Mask

Peter Van Huffel: Alt Saxophon

Roland Fidezius: Bass

Rudi Fischerlehner: Schlagzeug

Gleich vorweg: Das, was wir hier zu hören bekommen, ist Jazz. Doch schon nach wenigen Takten drängt sich das Bild auf, dass sich GORILLA MASK einen großen Genre-Acker zum Bebauen ausgesucht haben – und die Erde ist fruchtbar.

Das mittlerweile in Berlin stationierte Trio wurde vom kanadisch-stämmigen Alt-Saxophonisten Peter Van Huffel gegründet, der sich auch für die Kompositionen verantwortlich zeichnet. Vorwiegend hörbar ist allerdings die wie Zahnräder ineinander greifende Mechanik der Gruppe. So klingend-lyrisch die Rhythmussektion ihren bis in die Virtuosität reichenden Groove spielt, so perkussiv trägt das Saxophon die abstrakt-kantigen Riffs vor – und umgekehrt.

Repetitive Elemente, welche an die loopartigen Figuren von Don Caballero erinnern, wuchern wie mathematisches Geäst durch die Stücke hindurch. Doch auf dem letzten Album der Band (IRON LUNG, clean feed Records) finden sich daneben ebenso geschickt angelegte Fuzz-Bassläufe von Roland Fidezius, die zwischen SLY AND THE FAMILY STONE und Geezer Butler von BLACK SABBATH mäandrieren. Das Schlagzeug von Rudi Fischerlehner verwebt diesen Wildwuchs wiederum mit gekonnter Leichtigkeit und balanciert die technischen Denkspiele mit pulsierender Dynamik aus.

Dann ist da noch Peter Van Huffel. Der hat das ganze wohl ausgeheckt. Er bläst sein Alt-Saxophon mit großer Wucht und Präzision, klar in der Nuancierung und vor allem auf eine Sprache der Reduktion fokussiert. Und darüber schwebt stratusförmig die Improvisation. Nun, dahinter mag stehen, was da eben stehen mag. Was allerdings klar hörbar wird, ist eine Tendenz: die Tendenz zum Nicht-Verortbaren, der Zwischenräume, der Übergänge. Nicht die Genrezuordnungen zu unterminieren ist die Aufgabe, sondern sich aus allen Fächern so zu bedienen, dass dem Schrei in der Brust bestmöglich Ausdruck verliehen werden kann. Ob mittels Punk-Attitüde, strengen Math-Rock Strukturen oder Improvisationen in der Tradition eines Albert Ayler – das alles ist nur der oben bezeichnete Boden. Die Pflanzen sind so seltsam wie schön anzuhören. Denn und zu guter Letzt: Das, was wir hier zu hören bekommen, ist Jazz.

Video-Links:

 

Website:

https://gorillamaskmusic.com/

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